Fotos

Eine kleine abenteuerhungrige Delegation des Curling Clubs Düsseldorf hatte die „Heißzeit“ endgültig satt. Schon seit Wochen hatten sie kein Eis gesehen - geschweige denn auf dieser schönsten Zustandsform von H20 gestanden. Die dahinschmelzenden Eiswürfel in sommerlichen Cocktails und das Vanilleeis aus dem Gefrierfach waren auch kein wirklicher Ersatz. Die Entzugserscheinungen plagten sie jeden Tag mehr, während die unbarmherzige Sonne auf Düsseldorf wochenlang täglich niederbrannte, als ob sie ihnen sagen wollte: „Der Sommer wird noch sehr sehr lang. Ha ha ha !!!“ Die Gewissheit, dass irgendwann der Winter kommen musste, wandelte sich mehr und mehr in einen schwachen Hoffnungsschimmer..... 

.... Doch gemeinsam ist man stark. Und so verabredeten wir uns am letzten Samstag im Rekordhitzemonat Juli um High Noon, um zusammen dem Sommerloch zu trotzen. Und allein dieser tollkühne Plan zwang den Sonnenschein in den Tagen vor der großen Tour in die Knie. Sogar der fast vergessene Regen zeigte sich in diesen Tagen. Doch zur Startzeit war er wieder da: Der Sommer. Als hätte er sich in den letzten Tagen ausgeruht, um Kräfte zu sammeln für diesen einen Tag.

Doch eine andere Gefahr für die gute Stimmung braute sich bereits am Treffpunkt, dem südlichen Ende des Kö-Grabens, zusammen: Eine aufgebrachte und lautstarke Vegetarierdemonstration hatte sich dieselbe Stelle als Treffpunkt gewählt. Die Demonstranten, die auf zahlreichen Plakaten und per Lautsprecher eindringlich darum baten, bitte weder Fisch noch Fleisch zu essen (s. Foto), schienen zuerst friedlich und mit sich beschäftigt zu sein. Ebenso wie die Polizeibegleitung waren wir dazu gezwungen, den Abmarsch der Demo mitzuerleben, da leider einer unserer Mitstreiter noch fehlte. Er ist zwar ein geübter Radler und hatte heute vormittag schon eine beträchtliche Stecke per Rad zurückgelegt, wurde aber wie das Schicksal so spielt, von „Bücherstöberern“ an einem riesigen Büchermarkt in Düsseldorf aufgehalten. So wurden wir erstmal mit vegetarischen Merkblättern eingedeckt, wofür wir uns beim zustecken noch nett bedankten. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Denn die Vegetarier waren nicht auf den Mund gefallen. Mit Sätzen wie: „Die Tiere sind doch auch Lebewesen und haben auch Gefühle“ wurden wir von einer Demonstrantin angefaucht und lautes Kuhgeschrei aus dem Lautsprecher flog uns um die Ohren. Unsere Erlösung in Form von Ebi traf aber bald ein und so waren wir schnell an der ersten Station: im Park am Ständehaus. Erstmal Pause - Puhhhh.

Auf einer kleinen Brücke über dem Teich, wo man eine gute Sicht hat, brachte Felix den historisch Interessierten die Geschichte des Ständehauses und der damit verknüpften Politik näher. Anmerkung: Wie man auf dem Foto erkennt, waren offensichtlich einige nicht so historisch interessiert, wie die anderen.

Auf einem breiten Radweg (Hier zeigte sich uns Düsseldorf zum ersten Mal fahrradfreundlich.) ging es runter zum Rhein, wo gerade etliche Sportarten zum Ausprobieren aufgebaut wurden. Besonders Kinder konnten verschiedene Klettermöglichkeiten, Fußball, Kicker, Trampolinanlagen, Geschicklichkeitsspiele, etc. ausprobieren. Schon wieder wurden wir dadurch gequält, denn sofort schoss uns in den Sinn, welche Sportart hier fehlt – und das aus guten klimatischen Gründen. Von dieser Stelle aus kann man aber gut viele wichtige Gebäude Düsseldorfs sehen, die unser Regisseur auch kundig vorstellte. Über Kulturmangel konnte sich also am Ende des Tages keiner beschweren.

Nächste Station: Der Fernsehturm am Rhein. Ich wollte hoch – und fast alle kamen mit. Auf einer Tafel vor dem Aufzug ist die Lichteruhr des Rheinturms gezeigt. Auf einem der Fotos ist ein Crash-Kurs wie man sie entziffert. In wenigen Sekunden ging es rauf auf ca. 180m zur Aussichtsplattform. Wegen des leichten Dunstes sah man zwar nicht viel mehr als Düsseldorf, aber wir hatten ja auch eine Düsseldorf-Tour gebucht und keine Köln-Tour oder so.

Nachdem wir alle nun eine grobe Orientierung hatten, begann die Rundfahrt jetzt erst richtig. Bei den schiefen Gehry-Häusern cremten wir uns vorsorglich ein, denn wir „Eisleute“ sind solch intensive Sonnenstrahlung gar nicht gewöhnt. Es war richtig sonnig und so strahlten die bunten Häuser im Medienhafen in all ihren Farben. Auf Monkeys Island angekommen, wo wir unsere Räder am Strand, also im Sand abstellten (s. Foto) wollten wir dann erstmal was trinken. Hier hat man – umgeben von etlichen Affenstatuen – einen herrlichen Blick auf Düsseldorf (s. Foto). Leider mussten wir im Stehen trinken, denn es waren viele Leute an der Strandbar und die Bänkchen, die wir uns an einen Stehtisch geholt hatten, nahm der Wirt uns gleich wieder weg – Bähhh ! So blieben wir auch nicht lange, sondern brachten jetzt etwas schneller die Kilometer hinter uns.

Erstmal ging's quer durch den Hafen, an einem stillgelegten denkmalgeschützten Getreidesilo vorbei und einem Schrottplatz – aber da waren wir nur falsch abgebogen. Den wollten wir gar nicht sehen. Aber ein Fotograf war dort und machte Schrott-Fotos, der fand das wohl ziemlich interessant.

Als auf einer geraden, kaum befahrenen Straße alle in Grüppchen fuhren und kein Auto kam, machte ich die nächsten Fotos mit teilweise nicht so tollem Hintergrund (s. Graffiti-Foto) – aber im Hafen muss man mit so was rechnen. Auch muss man damit rechnen, dass trotz gerader Strecke das eigene Fahrrad sich manchmal für einen anderen Weg entscheidet, als man selbst. Und auf diesem Weg kann dann auch mal ein Bordstein sein, was zu einem spektakulären Sturz führt. Das war dann erstmal ein Schock für alle, aber außer einer kleinen Wunde am Ellenbogen und einem riesen Schreck ist nichts passiert. Tja, manche wissen, warum sie einen Fahrradhelm tragen.

Da wir unserem kundigen Pfadfinder sehr vertrauten, und er auch die Strecke vorher angeblich mit dem Auto erkundet haben soll, folgten wir ihm eigentlich überall hin. Als wir dann an einer Siedlung von heruntergekommenen Wohnwagen vorbeikamen und plötzlich in einer Sackgasse standen, war das Vertrauen jedoch leicht erschüttert. Aber ein Feldweg führte dann nahe an den merkwürdigen Wohnwagenbehausungen doch noch weiter und auf eine schiefe Ebene hinauf zu einer dreiecksförmigen Fußgängerbrücke, von der man eine herrliche Aussicht über den Rhein hat.

Nach einer Verschnaufpause ging's dann zum Burgplatz an der besagten Bücherausstellung vorbei und da gab's einen kleinen Imbiss als Mittagessen: Bratwurst. Naja – da haben wir dann nochmal der Demonstration am Mittag gedacht und der Demonstranten, die den ganzen Tag über noch die Flugblätter an den Mann und die Frau brachten. Aber die Wurst hat trotzdem geschmeckt.

Der Ruf nach einem Eiscafé wurde laut und so beschlossen wir uns noch kurz durch die Altstadt und die Maxstadt durchzumogeln und dann die Kö in Slalomfahrt zwischen den vielen Radfahrern und Spaziergängern hinter uns zu lassen, um dann wieder am Burgplatz dem Wunsch der Jugendabteilung – allen voran Berit und Sophia – nach dem Eiscafé nachzugeben. Nachdem sich auch Ebi wegen eines Termins verabschiedet hatte, beschlossen Felix, Andy und ich ein Alternativprogramm, nämlich das Schifffahrtsmuseum im Burgturm. Während die einen ihren Café schlürften, schauten wir uns Schiffsmodelle an und einen Film über die Geschichte des Burgplatzes und der Burg, die hier vorher stand (s. Foto). War eigentlich ganz OK, vor allem weil man mal dabei etwas dösen konnte, aber es ist definitiv ein Film und keine „Multimedia-Show“ wie angekündigt. Tipp: In der obersten Etage des Turms ist eine gut klimatisierte Bar mit schöner Rundumsicht, in der es sich sehr nett sitzen lässt – haben wir aber nicht gemacht, denn wir sahen von oben unsere Mitradler, die vermutlich schon los wollten.

Nach dieser längeren Pause kamen wir nun zum sportlichen Teil der Geschichte. Auf bequemen Radwegen durch eine überraschen ländliche, grüne Landschaft fuhren wir eine gute Stunde am linksrheinischen Ufer entlang nach Langst ins Fährhaus-Restaurant. Es liegt direkt an der Fähre nach Kaiserswerth, wo wir eigentlich auch hinwollten, aber uns das fürs nächste Jahr aufgespart haben.

Nach der teilweise rasanten Fahrt mit wechselnden Spitzengruppen und Verfolgern & Peloton a la „Tour de France“ hatten wir uns ein großes Getränk verdient. Ich fand auch, dass ein Eis angebracht war – das fand aber sonst keiner. Der Kinderbecher ist aber sehr zu empfehlen und überhaupt war das Essen sehr gut. Zum Essen kamen auch Jutta und Suzanne, so dass die Reservierung mehr als gerechtfertigt war und außerdem war das Restaurant so voll, dass später am Abend sogar neue Gäste keine Plätze mehr fanden. Nach dieser Stärkung färbte sich der Himmel schon orange und es war Zeit für den Rückweg. Berit und Sophia hatten Glück, die wohnten fast am Ort. Jutta und Suzanne auch, denn die waren motorisiert. Wir anderen knipsten die Dynamos an und zur Abkürzung wechselten wir auf einer Brücke auf die rechte Rheinseite, da der zu fahrende Bogen hier kleiner ist. Lustig war es, die Spiralabfahrten auf die Brücken rauf- und runterzufahren und teilweise waren wir sogar schneller als die Schiffe auf dem Rhein, die gegen den Strom fahren mussten. Im nächtlichen Düsseldorf machte sich dann jeder per Bus, Bahn, Auto oder Rad auf den Weg nach Hause.

ENDE

zur Nachahmung jederzeit empfohlen

Miro

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