Um 8 Uhr morgens trafen wir uns
alle in Neuss zur Abfahrt nach Oberstdorf. Schon im Auto war
die Stimmung gut und der glücklicherweise nicht vorhandene
Verkehr steuerte dazu bei, dass wir ohne Verzögerungen um ca.
13 Uhr in Oberstdorf eintrafen. Die Verkehrsführung in
Oberstdorf war am Anfang schon etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn
man nämlich meint, dass in einem Ort ein bestimmter Punkt am
besten über die Straße zu erreichen sei, die am ehesten in
dessen Richtung führt, so trifft dies zumindest auf Oberstdorf
nicht zu. Oder war das Navi am Ende doch im
Stadtrundfahrt-Modus?!
Unser CCD Headquarter für die nächsten Tage sollte das
Gästehaus Sirch sein. Unsere Ferienwohnung war ca. 110 qm
groß. Drei geräumige Schlafzimmer für jeweils 2 Personen,
Küche, Bad, Terrasse und ein ca. 40qm großes Wohnzimmer mit
einem schönen bequemen Sofa. Getränke lagerten zu fairen
Preisen im Keller. Für 42 € pro Nacht bot diese Wohnung mehr
als zu erwarten war. (Ein weiterer Vorteil dieser Wohnung
sollte sich erst später offenbaren!)

Das Gästehaus Sirch in der
Lorettostrasse.
Das komplette Erdgeschoss war unser *hehe*
[Foto-Quelle: Fremdenverkehr Oberstdorf]
Nachdem das Wichtigste ausgepackt
war, sollte unser nächstes Ziel natürlich das Eissportzentrum
sein. Die Stimmung war dort bereits hervorragend. Böse Zungen
könnten jetzt behaupten, dass dies alleinig dem Freibier zu
verdanken war, aber nein, es gab auch nüchterne Personen die
gut drauf waren. Schön war natürlich das Treffen mit den in
Düsseldorf trainierenden Spielern der griechischen
Nationalmannschaft Niko und Saki, welche zusammen mit den
amtierenden dänischen Vizeweltmeisterinnen als Team „Greece
Lightning“ starteten.
Nach unserer Anmeldung und der dringend notwendigen Stärkung
am Grill, mussten wir uns auch schon direkt für unser erstes
Spiel um 18 Uhr vorbereiten. Im ersten Spiel traten wir gegen
Cortina 2 an, deren Skip Mitglied der diesjährigen,
italienischen Damen WM Mannschaft war. Wir spielten mit der
Aufstellung 1 Tanja, 2 Michael, 3 Kiki und Richard Dey als
Skip. In den ersten 3 Ends erkämpften wir uns eine Führung von
4 Steinen. Vor allem Richards starken Steinen war es zu
verdanken, dass in den folgenden Ends der Schaden nicht zu
groß war. Im letzten End führten wir mit 2 Steinen, wobei
Cortina 2 den letzten Stein hatte. Nachdem Cortina mit einem
frei liegenden Stein shot lag, hätte es doch möglich sein
sollen mit einem vermeintlich „einfachen“ Takeout das Spiel
für sich zu entscheiden. Leider verfehlte dieser Takeout sein
Ziel und der gegnerische Skip sicherte mit einem gefühlvollen
Draw das 7:7 Unentschieden. Wir nahmen diesen Dämpfer jedoch
optimistisch und freuten uns über unseren ersten Punkt im
ersten Spiel. Nach dem obligatorischen Umtrunk machten wir uns
auf den Weg zurück in die Ferienwohnung. An dieser Stelle ein
großes Dankeschön an Tanja, die uns durch ihre
Alkoholabstinenz über die Tage Taxikosten und nasse Füße
ersparte!
Für den Ausklang des Abends gab es nur ein Ziel: Weinklause.
Eine...., ...naja.... „Disco“, deren Jahresumsatz
wahrscheinlich ausschließlich während der Vierschanzentournee
und dem Curlingturnier zustande kommt. Die Stimmung war dort,
wie sollte es auch anders sein, ausgelassen und so kam es,
dass über den Zeitpunkt der Rückkehr keine verlässlichen
Aufzeichnungen mehr existierten. Der bereits erwähnte, weitere
Vorteil der Ferienwohnung war übrigens, dass sich diese in der
gleichen Straße wie die Weinklause befand, wodurch der Heimweg
sehr vereinfacht wurde.
Trotz der langen Nacht waren am
nächsten Morgen keine Verluste zu beklagen und so waren wir
nach einem ausgiebigen „Frühstück“ pünktlich um 12:30 Uhr in
der Eishalle zu unserem zweiten Spiel. Diesmal ging es gegen
eine schweizer Mannschaft aus Zug. Nach den ersten 3 Ends war
das Spiel halbwegs ausgeglichen. Nach einer moderaten Leistung
unsererseits kamen unsere Gegner immer besser mit dem Eis
zurecht, so dass diese das Spiel beherrschen konnten und
zuletzt mit 7:4 verdient gewonnen haben. Selbst nach dem
Verlust dieses Spiels blieb unsere Motivation erhalten.
Immerhin blieb ja noch das „Trostgetränk“, das wir dank des
Wetterumschwungs im strahlenden Sonnenschein mit einem
herrlichen Bergpanorama genießen konnten. Für das Mittagessen
schlug Richard ein Restaurant an einem nahe gelegenen Bergsee
vor, welches er schon vor einigen Jahren einmal besuchte. Nach
Karte und Gefühl machten wir uns daraufhin mit dem Auto auf
die Suche. Das nach einiger Zeit der Weg immer schlechter
wurde, machte vorerst keinen stutzig, auch die bösen Blicke
der Wanderer weckten keine Zweifel. Das wir das Verbotsschild
übersehen haben, haben uns erst später die Schweizer erzählt,
die uns zu dem Restaurant folgen wollten. Trotz der
Spießrutenfahrt durch die Wanderer (es tut uns leid, war
wirklich keine Absicht!!!), hat es sich der schönen Umgebung
und des leckeren Essens wegen gelohnt.
Unser zweites Spiel an diesem Tag hatten wir um 20 Uhr. Die
Gegner waren diesmal Cortina 3, was an sich ganz nett war, da
Cortina 2 daher auf unserer Seite war. Auch der Skip dieser
Mannschaft hat als Junior bereits WM-Erfahrungen sammeln
können. Wir konnten zu Beginn wieder gut mithalten, so dass
sich unsere Gegner nicht absetzten konnten. Trotzdem waren wir
durchgehend in der Defensive und schafften es nicht Druck
auszuüben. Im vierten End wäre es beinahe zur Vorentscheidung
gekommen. Nachdem Tanja, Michael und Kiki mit ihren Steinen
„nicht sehr erfolgreich“ waren und das Haus immer voller
wurde, schaffte es Richard mit seinem letzten Stein einen
perfekten Draw zu legen und reduzierte so die gegnerischen
Shotsteine von fünf auf einen. Man kann es kaum glauben, aber
von schlechter Laune war auch nach diesem verlorenen Spiel
keine Spur.
Da es nun auch schon ziemlich spät war machten wir uns nach
dem Spiel direkt auf den Weg in die Ferienwohnung. Dort
genossen wir es erst einmal die Füße hochzulegen und bei einem
schönen Gläschen und ein paar Knabbereien, „Spielanalyse“ zu
betreiben. Um 3 Uhr fanden wir dann unsere Motivation wieder
um noch in die Weinklause zu gehen. Wer meint der Laden sei
leer um diese Zeit, liegt total daneben! Da wir erst um
13:30Uhr wieder spielen mussten, konnten wir es uns ja auch
erlauben, erst nachhause zu gehen, wenn die Wege bereits
wieder auf natürliche Weise beleuchtet waren.
Den Samstag begannen wir mit einem
gemütlichen Frühstück auf der Terrasse. Die ganze Mannschaft
war hoch motiviert, alles für einen Sieg im letzten Spiel zu
geben. Unsere letzten Gegner kamen aus Glarus und waren
aufgrund eines Ausfalls nur zu dritt. Jeder einzelne von uns
gab noch einmal sein Bestes und so war es uns möglich bis auf
einen 3er Ausrutscher aktiv Druck auszuüben. Aus sportlicher
Sicht rundete dieser 6:3 Sieg das Wochenende perfekt ab.
Am Nachmittag hielt das klare, sonnige Wetter an und so war
die Vorfreude auf das abschließende Nebelhornbankett groß. Die
letzte Talfahrt war für den „zivilen“ Verkehr um 17 Uhr, so
dass an diesem Abend ausschließlich Curlingspieler/-innen auf
der Bergstation waren. Ab 18 Uhr war die Nebelhornbahn für die
Bankettteilnehmer geöffnet. Schon während des Aufstiegs stieg
die Begeisterung über die Aussicht mit jedem Höhenmeter. Gegen
19 Uhr versammelten sich alle zum Aperitif auf der
Sonnenterrasse der Bergstation (Foto).

Unser Team beim Aperitif auf dem
Nebelhorn (v.l. Tanja, Richard, Kiki, Michael)
Nach ein paar !frittierten!
hors-d’oeuvres begann gegen 20 Uhr das 3-Gänge Menu. Zuerst
gab es eine leckere Karottencremesuppe mit frischer Kresse.
Anschließend gab es „Geschnetzeltes“ mit Reis und Dosengemüse
und anschliessend noch eine Nachspeise. Die Atmosphäre und die
anschließende Party ließen das Essen schnell vergessen. Ab 0
Uhr fuhren die Gondeln wieder zurück ins Tal und um nicht im
Stau zu stehen nahmen wir eine der Ersten. Bei annähernd
Neumond und ausgeschalteter Gondelbeleuchtung schaukelten wir
bis auf einen kleinen Zwischenstopp ins beleuchtete Tal
hinunter. Der von allen Mitfahrern gesungene, mindestens zehn
Minuten andauernde Refrain von „In the Jungle“ wurde nur durch
die regelmäßigen Countdowns bei den Gondelmasten unterbrochen.
An der Ferienwohnung angekommen, machten sich erstmals die
Strapazen der letzten Tage bemerkbar. Die magische
Anziehungskraft des Sofas verhinderte einen weiteren Abend in
der Weinklause...
Der Sonntag lässt sich schnell zusammenfassen: Aufstehen,
Waschen, Anziehen, Frühstücken, Packen, Übergabe, Abfahrt.
Leider hatten wir bei der Heimfahrt weniger Glück mit dem
Verkehr und so erreichten wir Neuss erst um ca. 23 Uhr.
Aus Sicht der Mannschaft war es
ein sehr gelungenes, stimmungsvolles Wochenende und wir sind
uns alle einig: „Jederzeit wieder!!!“
Das Turnier in Zahlen:
- 10 Rinks
- 78 gemeldete Mannschaften
- Spieler aus 15 Nationen (unter anderem USA und Kanada)
- Stimmung: 110%
- Platzierung „CCD“: Wir ließen ca. 1/3 des Teilnehmerfeldes
hinter uns.
- Platzierung „Greece Lightning“: Durch den Verlust des
letzten Spiels leider auf Platz 9
zurückgefallen